Zum Abschied ein Geschenk

Tradition und Brauch war die Übergabe eines Geschenkes an den ausscheidenden Soldaten. Im Rahmen einer Feier mit Grillsteaks und Bier verabschiedete man seine Kameraden mit Stil und Form. Dazu gehörte ein traditionelles Geschenk.

Wehrpflichtige erhielten meistens zum Abschied eine kleine Aufmerksamkeit. Böse Zungen behaupten, dass in manchen Fällen dies ein UvD Dienst oder gar eine Woche Bereitschaft waren. In den Kompanien wurde es aber unterschiedlich gehandhabt.

In der 2. Kompanie wurde die „Kompanie-Kachel“ ausgehändigt. Eine Keramik-Fliese, auf der das Kompaniewappen aufgedruckt war. Man hat ganze Züge an der Wache beim Ausmarsch gesehen, die ihr Geschenk geschlossen weg warfen. Schade, wird sich mancher später gedacht haben.

Als Erinnerung an ihre Dienstzeit wurde den Unteroffizieren gerne der stilisierte Fallschimjäger als Bronze-Figur überreicht. Feldwebel und Offiziere erhielten meistens die Bronze-Figur eines stürzenden Adlers oder auch einen Zinnteller mit Widmung. Diese Geschenke waren bei Frau Uta Dantes, Badstraße 14-16 in Calw erhältlich.

Seltener, aber dennoch nicht unüblich war in den Kampfkompanien die Überreichung eines Geschenkes der ausscheidenden Wehrpflichtigen an Ihre Vorgesetzten. Vor allem deshalb, da in den Jägerkompanien lange die gesamte Mannschaft verabschiedet wurde. Wenige Tage später wurde diese Kompanie dann zur E/A Kompanie und bildete ihre neuen Rekruten aus.

Es kursierte manche Geschichte über diese Verabschiedungen, denn an diesem Tag war der Wehrpflichtige traditionell sozusagen der Vorgesetzte (zumindest nicht mehr der Untergebene), was ein gewisses Potential beinhaltete.

In Erinnerung blieb die Geschichte aus der 3. Kompanie, wo ein Zugführer zur Übergabe des Präsentes zunächst eine „Hindernisbahn“ im U-Raum überqueren musste. An deren Ende stand dann das „Komitee“ mit einem liebevoll verpackten Geschenkt, dessen Form irgendwie an eine Rolle Toilettenpapier erinnerte. Der „Hauptfeld“ kündigte beim Start an der „Hindernisbahn“ mit Blick auf das Geschenk an:“Männer, wenn unter der Verpackung das ist, was ich vermute, sehen wir uns heute noch auf dem Standortübungsplatz.“

Nachdem der Zugführer den Parcours überwunden hatte und sein Geschenk in den Händen hielt, herrschte Stille im U-Raum. Beim Auspacken des Geschenkes wurde schnell klar, dass der Hauptfeld mit seiner Vermutung richtig lag – eine Rolle Toilettenpapier. Als er gerade Luft holte und noch kurz überlegte, in welcher Gangart er die gesamte Mannschaft in seinem Ärger über den StÜbPl jagen könnte, sagte ein Obergefreiter: „Jetzt schauen Sie halt mal genau hin!“.

Inmitten der Rolle hatten die Soldaten eine goldene Uhr versteckt, die auf der Rückseite eine Gravur trug. Die Innschrift lautete sinngemäß : „Unserem Zugführer als Dank zum Abschied, I. Zug 3./251.“. Sichtlich gerührt bedankte sich der gestandene Feldwebel und drückte eine Träne weg.

Durch „Dick und Dünn“ sind sie viele Monate gemeinsam gegangen, hatten unter Männern vieles gemeinsam erlebt, ertragen und ausgehalten. Die Soldaten hatten erkannt, dass hinter der rauhen Fassade des Zugführers ein Mensch war. Ein Vorgesetzter, der vielleicht nicht immer für jeden sofort erkennbar aber dennoch fürsorglich für die ihm anvertrauten Männer handelte.

1 Kommentar zu "Zum Abschied ein Geschenk"

  1. Hans - Günther Leufen | 11. Februar 2021 um 20:48 | Antworten

    Was ist aus Hptm.Streitbarth
    Von 2/251 Böblingen 1970 geworden?

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*