Waffensystem FK20-2

Feldkanone

(Rheinmetall MK 20 Rh 202)

Entwicklung:
Das BMVg / BWB beauftragte Anfang 1961 die deutsche Rüstungsindustrie mit der Neuentwicklung einer 20-mm-Maschinenkanone. 1966 begannen an der Erprobungsstelle 91 Meppen die Versuchsreihen.

Von 1968 bis 1969 lief die Truppenerprobung, während der über eine Million Schuss – darunter die neu entwickelte Treibspiegelmunition APDS – unter wechselnden Bedingungen abgegeben wurden. Die technische Abnahme erfolgte im Mai 1969 und führte 1970 zur Serienfertigung.

Aufbau:
Die Hauptbaugruppen sind das Rohr, Waffengehäuse, Schließvorrichtung, Federschieber, Verschluss, Abzugvorrichtung, Puffer, Gurtzuführer, Rücklaufbrems- und Vorholvorrichtungen sowie Patronenausstoßer. Die Munition wird der Waffe mittels Doppelgurtzuführer (DGZ) zugeführt. Somit können ohne erneutes Laden zwei verschiedene Munitionsarten ausgewählt werden.

Die Variante als Feldkanone FK 20-2 verfügte abweichend über einen Drei-Wege-Gurtzuführer (DWGZ).

Als Munition kann das NATO-Standard-Kaliber 20 × 139 mm verschossen werden. Die Standardmunition in der Bundeswehr sind Sprengbrand (HEI), Panzerbrechend mit Leuchtspur (AP-T), Treibspiegelmunition (APDS), lichtblaue Übungsgeschosse mit verkürzter Reichweite und Manövermunition. Die Durchschlagsleistung der APDS-Munition liegt bei 44 mm auf 1000 m.

Technische Daten:

Typ: einläufige Maschinenkanone, gelagert auf 3 Standholme
Funktion: kombinierter Gasdrucklader und Rückstoßlader
Kaliber: 20 × 139 mm
Kadenz: 880–1030 Schuss pro Minute
Effektive Reichweite: 2000 m
Gefahrenreichweite: 7000 m
Mündungsgeschwindigkeit: 1050 bis 1150 m/s
Gewicht (Munitions-Einzelzuführung): 75 kg
Gewicht (Munitions-Doppelzuführung): 83 kg
2 MunKästen mit je 75 Schuß
Gesamtlänge: 2612 mm
Rohrlänge: 2002 mm
Geschossgewicht: 134 g
Rückstoßkraft: 550–750 kg

Wirkung im Ziel
Wer einmal auf einem TrÜbPlatz im Zielgebiet der Großkaliber war, hatte vor der FK20-2 und ihrer Kraftentfaltung einen Höllenrespekt. Manchen überlief dabei eine Gänsehaut. Für die meisten Soldaten war es eine echte Erfahrung, wenn man in der Nähe einer feuernden FK20-2 stand, und ansonsten nur das zarte „Geknattere“ eines G3 oder MG3 gewohnt war.

Die Wirkung der FK20-2 auf Hart- und Weichziele war enorm. Diese Waffe mit einem gut ausgebildeten Richtschützen war für den Truppenführer ein echtes Pfund.

Wenn man sich heute auf die „andere Seite“ eines Fallschirmjägerbataillons (dahinter ein Mörser-Zug oder Feldartillerie) am VRV denkt, Gott bewahre, aber: das wäre ein sehr harter Gegner für jede Armee der Welt gewesen.


Blick durch das Zielfernrohr der FK 20-2 FERO Z13
Schießpause TrÜbPl: TrpFhr prüfen die Entfernungen für Zielansprache. Beispiel E R F A
Entfernung
Richtung
Feuerart
Ausführung
Die Trefferaufnahme bei „Hartzielen“ erfolgte in der Regel durch die Leuchtspur und den Trefferblitz des Aufschlagzünders. Hier: Bedingte Trefferaufnahme unter gleichzeitiger Demonstration „Wirkung im Ziel“. Das hat jeden Soldaten beeindruckt und änderte bei vielen das „Verhalten im Gelände“.

1973 erhielt das Bataillon einen FK-Zug (offizielle Bezeichnung: FK-Zug 251), welcher truppendienstlich der 1. Kompanie unterstellt war. Im Einsatz war der Zug direkt dem Bataillon unterstellt. Der FK-Zug verfügte über 10 Lkw 1,5 to (MB Unimog), 9 Feldkanonen auf Fahrgestell zum Anhängen an Lkw, 9 KRAKA mit 20mm-Rüstsätzen, 3 MunKRAKA, 1 KRAD, eine umfassende Funkausstattung und ein Führungsfahrzeug mit Funk (DKW Munga / VW Iltis).

Mit der Umgliederung 1982 in die Heeresstruktur IV wurden in die 5. Kompanie (davor 2./251) 6 Feldkanonen FK20-2 mit 2 MunKRAKA abgegeben. Drei Feldkanonen flossen in die neu aufgestellte 4. Kompanie und wurden mit 3 neuen Kanonen aus anderen Beständen ergänzt.

FK20-2 Trpfhr U Wölke Im Gurtzuführer Übungsmunition (blau). Ballistisch wie Sprengbrand und Hartkern – nur billiger!!
Truppenversuch 1974 „Watfähigkeit KRAKA FK 20-2“ an der LL-LTS, Altenstadt
Bekämpfung von Erdzielen mit FK20-2

KRAKA als Waffenträger FK20-2

1974 wurde der KRAKA in den vorgesehenen Stückzahlen an die Truppe ausgeliefert. Die Umrüstung erfolgte unter Führung der LLVersKp-Inst / InstGrp 251 im Hinblick Rüstsatz, die FK20-2 wurde durch den FKZug 251 umgebaut. Das war ein leichtes, da im Rahmen der Zugausbildung das „Zerlegen in Traglasten und Zusammensetzen“ regelmäßig geübt wurde. Die Lkw 1,5 to Unimog sowie die Fahrgestelle der FK 20.2 verblieben am Standort und wurden (wenn auch sehr selten) als Waffensystem weiter genutzt

Der KRAKA (Kraftkarren) war in der Kombination Motorleistung / Antrieb / Bereifung nicht unbedingt ein Schönwetter – KFZ. Im Gefecht bei entsprechenden Wetterbedingungen kam das Fahrzeug allerdings an seine Grenzen. Das Ein- und Ausfahren in teilgedeckte Stellungen bei Dauerregen war oftmals nur unter Zuhilfenahme der Gleitschutzketten möglich.

Der Feldkanonenzug 251 führte 1974 daher umfangreiche Truppenversuche durch. Der TrVsu „Watfähigkeit“ wurde an der LL-LTS in Altenstadt durchgeführt. Besonderheiten: Es waren auch KRAKA ohne Rüstsätze dabei. Die Fahrzeuge waren während des Tests zum Teil komplett unter Wasser. Es zeigte sich, dass beim schnellen Durchfahren von Wasserstellen das Fahrzeug problemlos arbeitete. Zu langsames Durchfahren führte zum Ausfall des KRAKA, was das Herausziehen und Abschleppen bedeutete. ABER: Nach Reinigungsarbeiten und mehreren Anlassversuchen sprangen die Fahrzeuge wieder an.

Ein weiterer TrVsu „Watfähigkeit“ wurde in der Lechrain-Kaserne bei Landsberg am Lech durchgeführt, wo ein PzArtBtl beheimatet war. Der StOÜbPl in Landsberg war mit tiefen Panzerspuren durchzogen, also das perfekte Gelände zur Überprüfung der Watfähigkeit.

Vorbereitung des Test-KRAKA zum Truppenversuch in Landsberg

WIESEL als Waffenträger FK20-2

1977 fand ein Truppenversuch mit dem damals von Porsche in Weissach bei Stuttgart (auch Teststrecke) entwickelten WIESEL statt. OF Hartmut Rau erhielt eine Kommandierung über das Btl 251 vom Heeresamt als „Taktisch-technischer Fachberater TrVersuch WIESEL“, vom 22.08. bis 16.09.1977 zur LL/LTS, Altenstadt.

Hier wurde das „20mm-Team“ zusammengeführt. Zeitgleich begann hier der Truppenversuch mit dem TOW-Wiesel der dann jedoch an anderer Stelle durchgeführt wurde. Von dort ging es im Lufttransport mit CH-53G zur Erprobungsstelle 91 nach Meppen/Ostfriesland. Dabei war ein Team der Firma KUKA – Augsburg, ein Team der STTr1-SpezstabATV – Aachen sowie ein Team der Erprobungsstelle. Von Meppen ging es im Lufttransport zum Fla-Schießplatz Todendorf, Ostholstein.

Bestes Trefferergebnis gem. elektronischem Zähler am Luftsack vom Sicherheitsturm (Rangecontrol): von 100 Schuss – 89‼️ Geschossbahndurchgänge.

Bei der Auswertung der Schießergebnisse erläuterte der Richtschütze (auf Foto sitzend) den Haltepunkt und die beim Schießen in der Bewegung auftretende Schwierigkeit des Ausgleichs der Schwankungen, die durch den Federweg der Schwingungsfederdämpfer am Fahrzeug entstehen.

Diskussion über eine Verbesserung des Haltepunktes durch eine neue Markierung im Visierbild ?? Jedenfalls fuhr man traumhafte Trefferergebnisse mit immer dem gleichen Visier-/Zielfehler ein! Das war natürlich nicht „truppentauglich“.

Eine der Problematiken war, dass es sich um das Visier eines anderen standardisierten Gefechtsfahrzeuges handelte. Durch die geplante, vergleichsweise geringe Stückzahl des 20mm-Wiesel wollte man die auf dem Versorgungsweg der Bundeswehr bereits verwendeten Visiere zur Ausstattung nutzen.

Versuchsschießen Wiesel mit FK20-2 in Meppen 1977
Auswertung nach dem Schießen – Rechts Leiter Truppenversuch Luftlandeschule (OTL, T-Offz), links OF Rau,1./251
Diskussion über eine Verbesserung des Haltepunktes

Flugziel-Schiessbahn „Blankeck“

Bilder FK Zug 1./251 | Flugzielschiessen TrÜbPl PUTLOS (Oldenburg/Holstein)

Die 6 Feuerstellungen waren ca. 60 m vom Strand der Ostsee entfernt. Der weisse Pfeil (Foto) ist die Anflugrichtung für das Schleppflugzeug des Flugzieles. Das war In der Regel ein Luftsack mit einem Mikrofon, das die „Geschossbahndurchgänge“ in einem einstellbaren Bereich um den Luftsack als Treffer zählte. Dieser Zähl-Computer stand auf dem Sicherheitsturm der Schiessbahn und wurde vom Personal der Rangecontrol bedient und war nicht manipulierbar!! Sie hatte auch Verbindung zum Piloten des Flugzeuges.

Auf einem Foto sieht man das Schleppflugzeug mit dem eingezogenen Luftsack. Zum Tanken musste das Flugzeug den Luftsack in der Nähe der Schiessbahn abwerfen, da es im Heimatflughafen (Lübeck) nicht damit landen konnte.

Eine kurze Erklärung des Schiessablaufs
Die Maschine fliegt Richtung See und zieht ein 1.600 m langes elektrisches Zugkabel hinter sich her (1.600 m = Kampfentfernung FlGAbw FK), Anflugrichtung gemäss Pfeil. Das bedeutet, wenn die Maschine senkrecht über Stellungen fliegt, ist ein gefahrloses „Feuer frei“ möglich. Das Flugzeug war eine BRONCO OV-10.

Bei Besetzung von 4-6 Feuerstellungen hat es auf der Schiessbahn ganz schön „gerumst“. Die Kunst war die Anwendung der Regeln des „Vorhalt bei einem Flugziel“ die hier trainiert wurden.

Kleine Anekdote: Schiessbahn Blankeck – 5 FK feuern – Luftsackabschuss. Brigadekommandeur Oberst Biemann kommt genau zu diesem Zeitpunkt in zivil mit einem amerikanischen Strassenkreuzer vorgefahren, er verbrachte gerade seinen Urlaub an der Ostsee. Wegen des abgeschossenen Luftsackes ertönt lautes Freudengeschrei der Männer. Der ZgFhr meldet voller Stolz dem Brigadekommandeur, der sich über die Meldung und das Schießergebnis mindestens genau so gefreut hat, wie seine Männer. General Otto Biemann, unvergessen in der Truppe!

„Pumpen“ nach Luftsackabschuss – Bunderwehrmaterial beschädigt 😀😃

Spass für Alle, da es ohne Berücksichtigung des Dienstgrades „nach Unten“ ging!! Übrigens: Hier war ausnahmsweise der ArtStOffz der 1. LLDiv auf Besuch und hat die Durchführung „überwacht“.

BRONCO mit eingezogenem Luftsack
Feuer frei
Pulverdampf in der Feuerstellung
Pumpen für Deutschland